Alte Flötentöne aus dem Tierhorn wieder neu entdeckt!

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Wahrscheinlich handelt sich beim Horn um eines der ältesten Musikintrumente der Welt. Die Geschichte des Horns geht ursprünglich auf Tierhörner zurück. Das Instrument wurde aus Hörnern von Ziegen, Schafen, Rindern und anderen Tieren mit Hörnern gemacht. Dabei bohrte man ein Loch in die Spitze oder Seite in das geblasen wurde. So stellte man fest, dass der Ruf eines Horns auch von weit weg zu hören ist.

Esther Grischott, deren Leidenschaft Fundstücke und Wolle sind, hat sich einen ganz besonderen Herzenswunsch mit ihren Schafshornflöten erfüllt. Von dem Instrumentenbauer Alois Biberger aus Deutschland hat sie sich ein Skuddehorn, ein Bündner Oberländerhorn und zwei Heidschnukenhörner als Gefässflöten umbauen lassen.

Hier sind alle vier Tierhörner zu sehen von links nach rechts, kleine Heidschnucke, grosse Heidschnucke, Bündner Oberländer, Skudde
Hier sind alle vier Tierhörner zu sehen von links nach rechts, kleine Heidschnucke, grosse Heidschnucke, Bündner Oberländer, Skudde

In ihrem Atelier in Graubünden gibt sie regelmässig Filzkurse für Kinder und Erwachsene. Ihre beiden Leidenschaften Musik und Wolle hat sie mit den Schafshornflöten nun ergänzen können. «Schon seit langem habe ich den Traum einer eigenen Schafhornflöte gehegt und diesen Sommer wurde er erfüllt», sagt Esther.

www.grischarte.ch
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Mit einem Schafshorn zu musizieren, ist auch für sie eine ganz neue Herausforderung, für die sie erst ein bisschen üben musste. Selber spielt sie schon seit vielen Jahren Blockflöte und neben ihrem Interesse für Musik praktiziert sie auch das Handwerk des Filzens.

Bündner Oberländer Grundton F Horn mit Mundstück und Labium (schräge Fläche mit der Schneide im Aufschnitt) die von Instrumentenbauer Alois Biberger in das Horn eingefasst wurde
Bündner Oberländer Grundton F Horn mit Mundstück und Labium (schräge Fläche mit der Schneide im Aufschnitt) die von Instrumentenbauer Alois Biberger in das Horn eingefasst wurde

Bei diesem Klangobjekt war die krumme Beschaffenheit der Hörner die Schwierigkeit, wie die Finger am besten greifen können. «Das erste Mal damit spielen, hat mich komplett durchgeschüttelt. Ich hatte regelrecht Gänsehaut von diesem schönen Klang.», erzählt sie begeisternd. Denn sind die Löcher einmal gebohrt, gibt es kein zurück mehr. Für Alois Biberger, der sich auf Hornflöten spezialisiert hat, war dies kein Problem. Die Mundstücke zum reinblasen sind aus Holz und wurden in die Hornöffnung mit fliessendem Übergang eingefasst.

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Esther Grischott hat uns ein paar Stücke gespielt, um euch eine Kostprobe des warmen Klangs zu geben. Wir können euch jetzt schon versprechen, dass der Klang der Hörner Gänsehaut verspricht. Aber am besten ihr hört selbst hinein. «Das Bündner Oberländerhorn ist mein Liebling, es sitzt perfekt in meinen Händen, es klingt so schön weich und voll, fast wie Orgeltöne. Jedes Horn hat einen anderen Klang und lässt ein Klangbild entstehen…faszinierend.», sagt Esther mit strahlenden Augen, «Nun habe ich einen grossen Schatz an Hörnern auf meinem Schaffell liegen und freue mich jeden Tag darauf eines erklingen zu lassen.»

Wer sich den Umhang der warmen Flötentöne umhängen möchte, kann eine Kostprobe der verschiedenen Klänge nehmen:

Kleines Heidschnuckenhorn Grundton G
Grösseres Heidschnuckenhorn Grundton F
Bündner Oberländerhorn Grundton F
Das grössere Heidschnuckenhorn mit dem Bündner Oberländerhorn Stella splensens anonym, Spanien, 14. Jh.

Redaktionsleitung: Christoph Lang, Nadja Hillgruber

Interview, Gestaltung und Umsetzung: Nadja Hillgruber, www.infothek-waldkinder.org

Bildnachweis: Fotografie und Audio © Esther Grischott

Das digitale Fachblatt ist in seinem 8. Erscheinungsjahr

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