Mit der Vielfalt der Natur bauen die Kinder im Himalaya eine nachhaltige ökologische Verbindung zu ihrer Heimat auf

thumbnailla-1544358734-46.jpg

The article in english

Hierzulande sammeln wir Holz für den Wintervorrat. Stöcke, Äste, Zapfen alles was wir am Waldboden finden und das für ein gutes Feuer brennt. Die Idee, Dung von Yaks einzusammeln, kommt in unseren Breitengraden nicht vielen Menschen in den Sinn. Anders in der Hochgebirgslandschaft von Ladakh, wo die gastfreundlichen Ladakhi in ca. 5000 Meter Höhe leben und sich der zweithöchste befahrbare Pass der Erde, mit 5200 Meter, befindet.

  • gegendfluss-1544353449-88.jpg
  • schnee-1544353455-85.jpg
  • himalaya-1544353462-54.jpg
  • 20180825162-1544354441-28.jpg
Kartenansicht von Ladakh
Kartenansicht von Ladakh

Dort sammeln die Menschen und insbesondere die Kinder der Nomadenvölker im Changthang Tal, Dung von Yaks für den Wintervorrat zum Heizen. Denn Holz gibt es in den Höhen des Himalayas nicht. Es ist ihre einzige Möglichkeit zu heizen und die Winter sind streng. Kurze und heisse Sommer werden abgelöst durch lange und extrem kalte Winter, der Schnee ist meterhoch, er fällt bereits früh im November und bleibt bis zum März. Konstante Temperaturen bis zu minus 30 Grad sind üblich.

Bedeutung von «GoGreen GoOrganic»

Die Schachukul Gonpa School von der uns Susanne Mic im Gespräch erzählt, ist wegen der kalten Winter von Dezember bis März geschlossen. In der Schule gibt es keine Heizung. Ihre erste Reise nach Nordindien machte Susanne 2016. Der Kontakt nach Ladakh begann jedoch schon im Winter 2017, als sie bei einem Besuch in Regensburg von der Schule aus Nordindien erfuhr. Damals sprach sie mit dem Mountain Ambassador der Uno, His Holiness Drikung-Kyabgon-Chetsang-Rinpoche über die herrschenden Umweltprobleme, die sie in ihrem Land haben und über das Projekt «GoGreen GoOrganic» für das sich die dort lebenden Menschen stark einsetzen. Zur besseren Vorstellung, Ladakh ist eine Hochgebirgswüste, deren Gletscher drastisch schnell

Das Projekt «GoGreen Go Organic» ist überlebensnotwendig für die Menschen in Ladakh
Das Projekt «GoGreen Go Organic» ist überlebensnotwendig für die Menschen in Ladakh

schmelzen. Der Monsun wird durch den Himalaya abgehalten, um auch nach Ladakh zu ziehen. Deswegen verzeichnet Ladakh auch nur äusserst geringe Niederschläge und ist sehr trocken. Das Schmelzwasser und das Gletscherwasser bilden die Bewässerungsgrundlage für die Felder. Das Projekt «GoGreen Go Organic» setzt sich für die Anpflanzung von Bäumen dort im Changthang Tal ein. Denn die Bäume sind überlebensnotwendig für das Nomadenvolk. Wenn das Eis auf dem Himalaya schmilzt, geht uns das alle, auch hier in Europa, etwas an.

Nomadenkinder besuchen die buddhistische Schule

Bei ihrem Besuch der Umweltkonferenz im März 2018, der Susanne auf Einladung von His Holiness Drikung-Kyabgon-Chetsang-Rinpoche folgte, lernte sie die Eisstupa zur Wassergewinnung kennen, die His Holiness vorstellte. Zusätzlich besuchte sie für 2 Tage die Schachukul Gonpa School, die vor 10 Jahren gegründet wurde. Im Sommer 2018 blieb sie eine Woche und konnte auch die Familie der Changpa Nomaden ihres Patenkindes Rigzen besuchen. Sie leben in Zelten und einfachen Behausungen. Ihr Land ist von tiefen Schluchten und weiten Hochebenen geprägt. Dort draussen ist es so einsam, dass sie von den anderen Ladakhis nur „irgendwo da draussen“ genannt werden. Ihr Leben ist schlicht und arbeitsintensiv. Das Leben an der buddhistischen Schule umfasst Wohnen und gemeinsames Lernen. Die dreiundreissig Kinder, die ausschliesslich männlich sind, im Alter von 3 bis 16 Jahren haben eigene Schlafräume, die nicht beheizt werden können. Der Unterricht

  • schulezimmer-1544354718-34.jpg
  • schulezimmer-1544354732-97.jpg
  • schler2-1544354749-2.jpg
  • schlafrume-1544354783-55.jpg
  • schlafrume-1544354798-48.jpg
  • 20180822202-1544354852-29.jpg
  • schule2-1544355127-5.jpg

findet auf den Gängen zwischen den Räumen und draussen in der Natur statt. In der Küche kocht ein Koch für alle und die Kinder helfen mit. Die Mädchen aus der Gegend haben ihre eigenen Klöster und gehen dort zur Schule. Dass die Kinder die Schule besuchen, ist für das Land sehr wichtig, denn damit wachsen die Chancen, dass sie ihren Lebensweg mit Bildung für ihr Land bestreiten können. «Es gibt Kinder für die es sinnvoll ist, dass sie auf weiterführende Schulen und buddhistischen Universitäten gehen», sagt Susanne. Viele der Kinder bleiben auch im Kloster und setzen dort ihren Lebensweg fort. Denn es nützt dem Land nicht, wenn die Mehrheit ihrer Kinder eine hohe akademische Ausbildung hat, sie sich jedoch in der Bearbeitung der Erde ihrer Heimat nicht mehr auskennen.

  • rigzen-1544355222-94.jpg
  • rigzenelter-1544355236-76.jpg
  • nomaden2-1544355242-46.jpg
  • nomaden1-1544355258-28.jpg
  • 20180825155-1544355285-5.jpg

Das Überleben in dem Tal ist nur mit Baumanpflanzung möglich

Die Nomadenvölker haben nur dann eine Chance weiterhin in diesem Tal zu leben, wenn sie Wasser haben. Das Projekt «GoGreen GoOrganic» zeigt bereits erste Erfolge aufgrund von Baumanpflanzungen in der Hochgebirgswüste. Für manch einen ist es vielleicht erstaunlich, dass in Höhen von 4800 Meter sehr gut Weiden-, Sandorn- und Aprikosenbäume wachsen. «In einem Nachbartal haben sie 8 verschiedene Sorten Aprikosen angebaut.», sagt Susanne. Neben dem hohen Vitamingehalt der Sandornbäume, der der Gesundheit der Menschen zugute kommt, bieten die Bäume ihnen auch eine wirtschaftliche Grundlage. Die

  • abensbergund-1544355743-86.jpg
  • abensbergund-1544355752-17.jpg
  • abensbergund-1544355759-35.jpg
  • abensbergund-1544355782-4.jpg
Das Projekt “goGreen goOrganic” fliesst in den Unterricht der Schüler mit ein
Das Projekt “goGreen goOrganic” fliesst in den Unterricht der Schüler mit ein

Nachhaltigkeit der Bepflanzung der Bäume fliesst auch in den Unterricht der Schüler mit ein. «Mir geht das Projekt «GoGreen GoOrganic» selbst sehr nahe, weil ich weiss, dass die Menschen sich sehr stark dafür einsetzen», erzählt Susanne. Sie hat in ihrer Heimatstadt T-Shirts drucken lassen, um das Projekt mit Aktionen in ihrer Gegend bekannter zu machen.

Eintauchen in die Vielfalt der Natur bedeutet für die Kinder Herzensbildung

Die Lamas an der Schule gestalten den Unterricht sehr abwechslungsreich. Die Kinder lernen rechnen und schreiben und werden in den Sprachen Tibetisch, Hindi und Englisch gelehrt. Freies Spiel, wie auf den Fotos zu sehen ist, gehört genauso dazu, wie diszipliniertes Lernen. «Beim Spiel draussen konnte ich beobachten, wie sehr die Kinder in der Natur zu Hause sind.», sagt Susanne, die bei ihrem Aufenthalt im Sommer als gelernte Waldkindergärtnerin, naturpädagogische Impulse in den Unterricht miteinfliessen liess. Sie

Video – Mit der natürlichen Neugier spielen die Kinder

Suanne Mic beobachte wie die Kinder der Schachukul Gonpa School in ihr Urspiel eintauchen

beobachtete die natürliche Neugier, wie die Kinder sich begeisternd beim Werkeln und Sägen einbrachten. Der, von Kindern in ihrem Arbeitsumfeld in Deutschland oft gesagte, Satz heisst: «Ach, das kennen wir schon und wollen wir nicht!», bei den Schülern in Ladakh hörte sie ihn gar nicht. Ganz im Gegenteil! Die Natur ist für sie ganz zentral. Fasziniert beobachtete sie während des freien Spiels einen Jungen, der völlig versunken in das Urspiel war. Er sang nebenbei und hatte mit viel Geduld Steine mit Sand aufgebaut. Stürzte etwas zusammen, baute er es mit viel Geduld erneut wieder auf. Susanne hatte mit dem Stein-Sand-Spiel als Impuls gestartet. Die

  • 20180823125-1544357146-75.jpg
  • 20180823111-1544357156-91.jpg
  • 20180823111-1544357168-44.jpg
  • 20180823103-1544357204-49.jpg
  • 20180820134-1544357222-87.jpg
  • 20180820140-1544357233-20.jpg
  • 20180820140-1544357243-3.jpg

Jungen hatten es angenommen und fortgeführt. Nebenher fanden auch Brettspiele und ein Picknick auf der Wiese statt. Susanne beobachtete auch, wie jeder für sich in sein kreatives Fantasiespiel eintauchte und fortführte. Berührt von so viel Eindrücken erzählt Susanne weiter, wie die Schüler sehr sozial miteinander umgehen und gegenseitig voneinander lernen. Die Älteren kümmern sich um die Jüngeren. Ein Teil der buddhistischen Ausbildung ist die Schulung des Mitgefühls untereinander und für die Umwelt, dies konnte Susanne im Zusammensein mit den Menschen intensiv erleben.

Gäste und Besucher sind an der Schule herzlich willkommen

«Die Schachukul Gonpa School ist offen für junge Menschen, die sehr gerne als Volunteers bei ihnen bleiben wollen.», sagt Susanne. Das weiss sie aus ihren Gesprächen und regelmässigem Austausch mit Lama Konchak Gyaltson. Er ist Lehrer an der Schule. Willkommen sind auch Menschen, die gerne ihre Schule kennenlernen möchten und mit den Schülern zusammen Bäume pflanzen oder mit ihnen in der Schule Lerninhalte erarbeiten möchten. Sie freuen sich auf Besucher, die Musizieren

Susanne Mic mit den Kindern der Schule - Sie filzten kleine Figuren
Susanne Mic mit den Kindern der Schule – Sie filzten kleine Figuren

können oder mit den Schülern Englisch sprechen. Es gibt verschiedene Projekte an der Schule, die begleitend betreut werden können. Bei ihrem letzten Besuch hatte Susanne warme Decken, Mützen und Handschuhe als Geschenke im Gepäck. Sie freuen sich auch über Arbeitsgeräte wie Sägen und anderes Werkzeug. Der Schulleiter der Schule Lama Sonam Dawa nimmt Anfragen gerne entgegen und gibt Auskunft über die Dauer der Aufenthalte, die bei ihnen möglich sind.

Kontaktdaten

Bei Interesse an der Schackukul Gonpa School bitte Susanne Mic kontaktieren

Die Infothek Waldkinder ist ein Projekt unter dem Dach der Feuervogel Genossenschaft
Die Infothek Waldkinder ist ein Projekt unter dem Dach der Feuervogel Genossenschaft

Redaktionsleitung: Christoph Lang, Nadja Hillgruber

Redaktionelle Gestaltung und Umsetzung: Nadja Hillgruber, www.infothek-waldkinder.org

Bildnachweis: Fotografie  © Susanne Mic

Das digitale Fachblatt ist in seinem 9. Erscheinungsjahr

%d Bloggern gefällt das: